
Sa Calobra: die Serpentinenstraße MA-2141 entspannt fahren
Inhalt
- Sa Calobra und der Torrent de Pareis: das Ziel
- Die Straße nach Sa Calobra (MA-2141) in Zahlen
- Reisebusse: die wichtigste Regel für Sa Calobra
- Sa Calobra mit dem Auto: So fährst du die Serpentinen
- Der „Krawattenknoten“ (Nus de sa Corbata)
- Radfahrer: die leise Gefahr
- Welcher Mietwagen eignet sich für Sa Calobra?
- Sa Calobra ohne Auto: mit dem Boot ab Port de Sóller
- Lohnt sich Sa Calobra auf Mallorca?
- Häufige Fragen
Sa Calobra ist die Bucht mit Kieselstrand an der Nordküste Mallorcas, an der die Schlucht des Torrent de Pareis ins Meer mündet. Hinunter führt die MA-2141: 13 Kilometer Serpentinen, die an den Hängen der Serra de Tramuntana kleben. Die Straße nach Sa Calobra und zum Torrent de Pareis hat einen zweifelhaften Ruf.
In Foren liest man die widersprüchlichsten Dinge: Für die einen ist es eine Spazierfahrt, für die anderen ein Albtraum am Abgrund, ohne zurücksetzen zu können. Die Wahrheit liegt dazwischen. Gefährlich ist die Straße nicht wegen ihrer Bauweise, der Asphalt ist eben wie ein Billardtisch. Gefährlich wird sie durch den Faktor Mensch: Stress, ein falsch eingeschätztes Auto und vor allem der Verkehr.
Ich bin diese Kurven Dutzende Male gefahren, im Sommer wie im Winter. Hier sind konkrete Fahrtipps, damit Kupplung und Nerven heil bleiben.
Sa Calobra und der Torrent de Pareis: das Ziel
Das eigentliche Ziel ist nicht die Straße, sondern der Torrent de Pareis: die Mündung, an der die Schlucht auf das Meer trifft. Unten in Sa Calobra gehst du durch die Fußgängertunnel und kommst direkt in der Schlucht heraus. Die Akustik dort ist bemerkenswert. Die graue, zerklüftete Karstlandschaft sucht im ganzen Mittelmeerraum ihresgleichen.
Die Straße nach Sa Calobra (MA-2141) in Zahlen
Bevor du den Motor startest, schau dir die Zahlen an. Die Straße führt vom Coll dels Reis auf 682 Metern Höhe bis hinunter auf Meereshöhe. Das durchschnittliche Gefälle liegt bei knapp 7 %, mit deutlich steileren Abschnitten.
Die Fahrbahn ist im Schnitt 6 Meter breit. Rechne nach: Ein normaler Mietwagen ist etwa 1,80 Meter breit, ein Reisebus 2,55 Meter. 1,80 + 2,55 = 4,35 Meter. Rechnerisch passt das, es bleiben mehr als 1,50 Meter Spielraum. Das Problem: Dieser Spielraum verschwindet in den 12 Haarnadelkurven (180 Grad) und vor allem in der berühmten 270-Grad-Kurve, dem „Nus de sa Corbata“. Dort brauchen die Busse die ganze Fahrbahnbreite zum Einlenken. Bist du zur falschen Zeit am falschen Ort, geht nichts mehr.
Reisebusse: die wichtigste Regel für Sa Calobra
Kennst du die Zeiten der Reisebusse, schaltest du 90 % der Gefahr aus. Die Busse kommen wie Ebbe und Flut: morgens bringen sie die Gruppen hinunter, nachmittags wieder hinauf.
Diese Zeiten meidest du:
- 10:30 bis 12:30 Uhr (bergab): Dutzende Busse fahren zum Strand hinunter. Fährst du dann hinunter, hängst du in einer langsamen Kolonne. Fährst du dann hinauf, musst du in den Kehren vor 12-Tonnen-Kolossen zurücksetzen.
- 15:30 bis 17:30 Uhr (bergauf): Die Gruppen fahren zurück. Bergauf ist die Straße dicht.
Die beste Zeit: Sei vor 9:30 Uhr am Beginn der Straße. Dann hast du sie fast für dich allein. Dir kommen nur wenige Fahrzeuge entgegen, du bleibst immer auf deiner Spur und kannst die Landschaft genießen. Für die Rückfahrt fährst du entweder früh hinauf (vor 14 Uhr) oder wartest bis zum Abend (nach 18 Uhr), wenn goldenes Licht auf dem Kalkstein liegt.
Sa Calobra mit dem Auto: So fährst du die Serpentinen
Die lange Abfahrt beansprucht die Bremsen stark.
1. Motorbremse nutzen
Viele Fahrer stehen die ganze Abfahrt verkrampft auf der Bremse. Ein schwerer Fehler: Die Bremsen werden heiß, die Bremsflüssigkeit kocht (Fading), das Pedal wird weich. Im schlimmsten Fall verlierst du die Bremswirkung ganz. Schalte in den zweiten Gang, in den Kehren sogar in den ersten. Lass den Motor ruhig etwas aufheulen, dafür ist er gemacht: Er hält das Auto. Brems nur, um vor einer Kurve Tempo herauszunehmen.
2. Weit vorausschauen
Dein Blick gehört zwei, drei Kurven weiter nach unten. Siehst du das weiße Dach eines Busses, der heraufkommt, such sofort eine Ausweichstelle und warte dort. Fahr nie in eine Engstelle, wenn du nicht sicher bist, dass es passt.
3. Außenspiegel einklappen
Bei Begegnungen mit breiten Fahrzeugen passt die Karosserie oft, die Spiegel aber nicht. Klapp den rechten Spiegel (Felsen- oder Mauerseite) ruhig ein, wenn es eng wird.
Der „Krawattenknoten“ (Nus de sa Corbata)

Der Ingenieur Antonio Parietti hat hier eine Kurve entworfen, in der die Straße unter sich selbst hindurchführt, um den Höhenunterschied zu überwinden. Ausgerechnet das ist der einfachste Teil der Strecke: Die Straße ist breit, die Sicht perfekt, die Kurve sanft. Schwieriger sind die engeren Kehren, in denen Begegnungen mit Reisebussen heikel werden.
Radfahrer: die leise Gefahr
Mallorca ist das Mekka des europäischen Radsports. Auf der Straße nach Sa Calobra bist du nie allein: Jeden Tag fahren Hunderte Radfahrer hinauf und hinunter. Bergab sind sie oft schneller als Autos, mit bis zu 60 bis 70 km/h. Schau in den Spiegel, bevor du nach rechts ziehst. Bergauf quälen sie sich und schwanken. Hab Geduld und überhol nie ohne freie Sicht. 30 Sekunden Zeitgewinn rechtfertigen kein Risiko für einen Radfahrer.
Welcher Mietwagen eignet sich für Sa Calobra?
Die Größe zählt, aber anders, als du denkst. Ein großer SUV wie ein BMW X5 oder ein Geländewagen ist hier ein Nachteil: breit, schwer, wenig wendig. Ideal ist ein kompakter Kleinwagen (etwa Fiat 500, Peugeot 208 oder VW Polo) mit etwas Durchzug. Nimm nicht die schwächste Motorisierung, wenn ihr zu viert seid, sonst kriechst du bergauf im ersten Gang. Je schmaler dein Auto, desto mehr Spielraum hast du bei Begegnungen.
Sa Calobra ohne Auto: mit dem Boot ab Port de Sóller
Werden dir beim Lesen schon die Hände feucht, zwing dich nicht. Das Ziel ist der Torrent de Pareis, die Straße ist nur der Weg dorthin. Viel entspannter geht es mit dem Boot: Ab Port de Sóller fahren mehrmals täglich Boote nach Sa Calobra. Die Überfahrt dauert eine Stunde und führt an der unzugänglichen Steilküste im Norden entlang. Großartig, kühl, ohne Fahrstress. Du gehst direkt am Kieselstrand an Land.
Lohnt sich Sa Calobra auf Mallorca?
Ja. Sa Calobra gehört zu den großen Sehenswürdigkeiten auf Mallorca. Hältst du dich an die Buszeiten und nutzt die Motorbremse, wird der Ausflug eine der besten Erinnerungen deiner Reise. Fährst du im August um 12 Uhr mittags mit einem großen Geländewagen hin, wird er dein schlimmster Albtraum.
Bleibst du danach noch in der Serra de Tramuntana, lies auch unsere Seiten über Sóller und Valldemossa.
Häufige Fragen
Wann fährt man am besten nach Sa Calobra?
Sei vor 9:30 Uhr am Beginn der Straße. Zurück fährst du vor 14 Uhr oder nach 18 Uhr hinauf und meidest die Zeit von 15:30 bis 17:30 Uhr, wenn die Reisebusse zurückfahren.
Ist die Straße nach Sa Calobra gefährlich?
Nicht wegen ihrer Bauweise. Das Risiko sind Stress und Begegnungen mit Reisebussen in den Kehren. Meide die Buszeiten und lass die Motorbremse arbeiten.
Welches Auto eignet sich für Sa Calobra?
Ein kompakter Kleinwagen wie Fiat 500, Peugeot 208 oder VW Polo, nicht zu schwach motorisiert, wenn ihr zu viert seid. Ein großer SUV oder Geländewagen ist bei Begegnungen ein Nachteil.
Kommt man ohne Auto nach Sa Calobra?
Ja, mit dem Boot ab Port de Sóller. Die Boote fahren mehrmals am Tag, die Überfahrt entlang der Nordküste dauert etwa eine Stunde.
Was hat es mit dem Tunnel in Sa Calobra auf sich?
Unten in Sa Calobra führen Fußgängertunnel bis in die Schlucht des Torrent de Pareis, dorthin, wo der Canyon ins Meer mündet.
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